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Über Gewalt reden. Einwände gegen die Definitionsmacht
Diskussionsbeitrag einiger GenossInnen der Basisgruppe Politikwissenschaft


Zur Intention

Für Betroffene sexueller Gewalt ist die bürgerliche Rechtsprechung oft feindliches Terrain: In Gerichtsverhandlungen werden Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe bagatellisiert, VerteidigerInnen scheuen sich nicht vor dem Zynismus, der Betroffenen eine Mitschuld nachweisen zu wollen, und häufig werden Anklagen wegen Verjährungsfristen und fehlender Beweise abseits der Zeugenaussage(n) fallen gelassen. Zudem ist Sexismus in den oft zitierten linken Zusammenhängen genauso wie im Rest der Gesellschaft nach wie vor ein großes Problem. Nicht selten ziehen sich nach Vergewaltigungen die betroffenen Frauen von ihrem politischen Engagement zurück und nicht die Täter. Manchmal bleibt eine Tat auch ungeahndet, weil man es für ein politisches Vergehen erachtet, einen Genossen dem Staatsapparat auszuliefern. Ohnehin würde es wohl wenig bringen: Selbst bei jenem geringen Teil von Vergewaltigungen, bei dem es zu einer Anzeige kommt, führt nur einer von etwa zehn Fällen aufgrund von Schwierigkeiten bei der Beweisführung und dem Unwillen der Justiz zu einer Verurteilung.[1] Das Konzept der Definitionsmacht – kurz Defma – reagierte auf diese Zumutungen des bürgerlichen Rechts und wollte eine Alternative anbieten, die zumindest in der Linken die Betroffenen aus ihrer Bedrängnis befreien sollte. Beweise für eine Vergewaltigung, für eine gerade noch abgewendete Vergewaltigung oder für sexuelle Gewalt zu liefern, ist meist ein Ding der Unmöglichkeit. Das bringt Betroffene schnell in einen permanenten Rechtfertigungszwang. Um die Legitimation der Anschuldigung aufrecht zu erhalten, muss oft das Erlebte wiedererzählt, unangenehme, persönliche und intime Details (szene-)öffentlich zugänglich gemacht werden. Für viele Betroffene hat das auch zur Folge, Übergriffe und Vergewaltigungen gar nicht zur Sprache zu bringen, sondern das Erlebte für sich zu behalten und sich zurückzuziehen. Diesem massiven Problem wird in zahlreichen deutschsprachigen Szene-Zusammenhängen mit dem Defma-Ansatz begegnet. Defma sieht sich als feministische Praxis, die dieses Problem dem staatlichen, bürgerlichen Rechtssystem zu entziehen versucht. Anstelle der Beweisbarkeit oder der Unschuldsvermutung wird das subjektive Empfinden der Betroffenen in den Mittelpunkt gestellt. Doch entgegen dem Selbstverständnis von Defma ist der Versuch, mit dem bürgerlichen Recht auch die Gewalt abzuschaffen, zum Scheitern verurteilt. Die antiemanzipatorischen und antifeministischen Tendenzen von Defma zeigen sich aber nicht erst in einer vermeintlich überzogenen Praxis, sondern sind dem Konzept inhärent. Indem die Bedeutung eines Wortes bloß von der Person abhängen soll, die es äußert, wird jegliche Differenzierung – zwischen einer Vergewaltigung, einem sexistischen Kommentar, nicht-konsensualen Berührungen oder blöden Anmachen – verunmöglicht. Indem die Bestimmung der Sanktion unhinterfragt bleibt, werden die Unterstützung der Betroffenen und Bestrafung des Täters vermengt. Indem die Betroffene auf die Gefühlsebene zurückgeworfen wird und der Täter als der Rationale erscheint, in welchem sich der gesamtgesellschaftliche Sexismus verfolgen lasse, bedient man sexistische Zuschreibungen. Indem der Sexualität ihre Bedrohlichkeit genommen werden soll, hat es zumal den Anschein, als werde hier nicht der Kampf gegen den Sexismus geführt, sondern der Kampf gegen Sexualität schlechthin. Schließlich verfolgt die Linke jede Kritik, die sich gegen Defma regt, und zeigt darin, dass ihre emanzipatorische Praxis in Wahrheit das Ausagieren autoritärer Wünsche ist.

Solcher Kritik, noch bevor die Argumente ausgebreitet sind, wird misstrauisch entgegnet: Wie soll man aber dann mit sexueller Gewalt umgehen? Die Frage ist richtig, würde in ihr nicht allzu oft unterstellt: Welches Konzept soll anstelle von Defma umgesetzt werden? So gefragt, wird Solidarität mit der Betroffenen scheinbar identisch mit dem Konzept, der Widerstand gegen Sexismus zur Treue zum Konzept verpflichtet. Ein “Gegen”-Modell haben wir nicht und alleine die Sinnhaftigkeit eines solchen ist zu bezweifeln, da ein Konzept voraussetzt, auf verschiedenste Fälle gleich reagieren zu können. Was sich nicht nach Schema behandeln lässt, kann so gar nicht behandelt werden. Sexismus ist natürlich zu benennen und auf sich sexistisch verhaltende Personen ist unmittelbar zu reagieren. Ansonsten lässt sich nur das eigentlich Selbstverständliche sagen: dass alleine Aufklärung über Sexismus diesem entgegenarbeitet und für ihn sensibilisiert, um sich bewusst gegen ihn zu stellen; und dass die Durchsetzung der als bürgerlich verpönten ‘common decency’, wie der Achtung der Grenzen anderer, der sexuellen Gewalt so feindlich ist, wie es kein Konzept sein könnte. Darüber hinaus lässt sich das Defma-Konzept nur deshalb anwenden, weil man ohne das antisexistische Ticket in der Linken nicht auskommt, denn jedes Argument, das sich als links ausweisen soll, muss sich in dieser Sache eindeutig deklarieren und Zugehörigkeit beweisen. Genau von diesem Einvernehmen weiß die bürgerliche Gesellschaft aber wenig. Die gesellschaftliche Irrelevanz führt zur Beschränkung des Konzepts auf die Szene und es steht zu vermuten, dass diese Selbstbezüglichkeit dem linken Szenedünkel durchaus entgegen kommt. Der epistemische Vorsprung, den die Linke in puncto des Sexismus gegenüber den liberalen ApologetInnen der Gesellschaft hat, wird sogleich kassiert, indem die Parole ausgegeben wird, die Szene sei zu isolieren und bestmöglich abzudichten. Wenn es aber jenes zumindest rudimentäre Verständnis für die Notwendigkeit antisexistischer Praxis gibt, das Defma zu seiner Bedingung hat, stellt sich die Frage nach der Alternativlosigkeit von Defma sogar auf der Basis ihrer eigenen Prämisse.

Uns ist es ein Anliegen, mit der erschreckend häufigen Tatsache von sexuellen Übergriffen feministisch umzugehen – um auf zahlreiche, meist argumentationsfreie Vorwürfe zu reagieren. Gerade dieses Anliegen verlangt jedoch danach, dass über die Mittel und Ziele diskutiert werden kann. Die pauschale Abwehr dieses Vorhabens wurde auch im Vorfeld der Wiener Veranstaltung vom 12.12.2014 deutlich.[2] Bereits die Tatsache, dass es sich um die erste öffentliche Veranstaltung zum Thema in Wien seit Jahren handelte, war Anlass genug, um über vermeintliche antifeministische Propaganda zu schwadronieren. Konnte man sich sonst auch nicht leiden, zumindest darin wusste man sich einig, dass eine solche Veranstaltung nur affektives “Defma-Bashing” sein könne. Die VeranstalterInnen wiederum seien “widerlich”, “grindig”, “scheiße” oder, auf Höflichkeit bedacht, “ohne Niveau”. So leicht der Vorwurf fällt, so schwer tun sich die Vorwerfenden mit Gründen: Während man mit öffentlichen Beschimpfungen keine Probleme hat, hält man sich mit öffentlichen Argumenten zurück, schließlich hätten diese mit feministischem Handeln nichts zu tun.[3] Dafür scheint der Hinweis zu reichen: Defma kann man halt nicht “in diesem Rahmen” diskutieren, wobei unklar bleibt und wohl auch bleiben soll, was denn der andere Rahmen sein sollte. Bei der Veranstaltung selber trat genau das ein, was man hätte ahnen können: Enthemmung im Gewand des bitter nötigen Protests gegen die Zumutungen der Kritik. Die Abwehr des Arguments entlud sich im schimpfwortreichen Geifer. Das leidige Stören des Vortrags, das sich in seiner Aufgebrachtheit als selbstverständlich vorkam, disqualifizierte sich selber durch seine Affektiertheit. Während man sich über “das gewalttätige Reden” der Vortragenden echauffierte, führten die Echauffierten eindringlich das Einfließen von Gewalt in den sprachlichen Ausdruck vor. Um sich auf das Gesagte nicht einlassen zu müssen, machte man sich darüber lustig. Im kollektiven Kichern verbindet sich die Unbeholfenheit mit der angestrengten Absicht, das Argument zu unterbrechen.[4] Weil man nicht nur ahnt, sondern genau weiß, wie sehr das Weltbild angegriffen wird, und wie wenig man dem argumentativ entgegenzusetzen hat, wird schon die Form des Vortrags zur Grenzmissachtung einer illegitimen Autorität, als die man sittliche Übereinkunft verkennt. Ein Gutteil des Hässlichen, von dem es Zeugin zu werden auf der Veranstaltung die Gelegenheit gab, ist freilich weniger für die Verfasstheit der Defma-Szene, als vielmehr für die der radikalen Linken symptomatisch.

Das autoritäre Verhältnis der Linken zu Defma

Obwohl die BefürworterInnen der Definitionsmacht bereitwillig versichern, dass das Konzept wahrscheinlich nicht perfekt ist, dass es wohl gewisse Mängel aufweist und dass man deshalb natürlich darüber reden kann und soll, ist es auffällig still um die mutmaßlichen Defizite der Definitionsmacht. Dem Eingeständnis, dass es vielleicht Fehler im Konzept gibt, dass die vollkommene Umsetzung des Betroffenenschutzes nicht funktioniert und dass niemand so wirklich weiß, wie erfolgreiche ‘Täterarbeit’ aussieht, folgt gerade nicht die Debatte um die möglichen Gründe dieses Scheiterns, wie man vermuten könnte, sondern Schweigen. Diskussionen seien natürlich wichtig, bekommt man zu hören; aber nicht hier und nicht dort, das passe nicht und schwäche die eigene Position. Wo sich die FürsprecherInnen der Definitionsmacht in einladender Geste zeigen – natürlich ist Kritik an Defma möglich! –,[5] wird diese nicht erwidert. Im häufigeren Fall, dass diese Geste ausbleibt, gibt es hingegen keine Initiative zur Frage, inwiefern die Definitionsmacht womöglich fehlgeht und wie sich die Situation verbessern ließe.

Wen wundert’s: Schon der Anflug von Kritik löst einschlägige Reaktionen aus. Je nach dem Geschmack der linken Öffentlichkeit sieht sich die Person oder die Gruppe, die ihre Skepsis über das Konzept und die Praxis der Definitionsmacht ausdrückt, als TäterschützerIn, als SexistIn, als AntifeministIn und dergleichen diffamiert und mit Sanktionen bedroht, bevorzugt mit dem Ausschluss aus der “Szene”, wobei die Befürchtung berechtigt scheint, dass die relative Milde der Strafe weniger der Nachsicht des linken Szenegerichts geschuldet ist als seinen beschränkten Mitteln. Die Entschlossenheit und die Verve, mit der sich viele Linke auf die AbweichlerInnen stürzen, lassen wenig Zweifel an ihrem Willen, die Täterschützerin oder den Täterschützer ranzukriegen und bereuen zu lassen. Während manche Definitionsmacht-UnterstützerInnen aus ihrem Strafbedürfnis keinen Hehl machen und ihren Hassobjekten unverhohlen den Tod wünschen,[6] wird auch ohne explizite Drohung die Intoleranz gegenüber Kritik klar. Der Erfolg der autoritären Gesinnung zeigt sich daran, dass sie nicht nur die Gewalt, sondern auch deren Androhung vorgeben kann: Es genügen das geteilte Bewusstsein darüber, dass das Vergehen geahndet wird, und die Gewissheit, dass die Anklage ohne Verteidigung geführt wird. Den artikulierten Zweifel am Definitionsmachtkonzept gibt es nur zum fixen Preis der Diffamierung und des Ausschlusses aus linken Zusammenhängen. Jenen, die sich zwar nicht aus Überzeugung, sondern aus Not mit der Definitionsmacht arrangieren wollen, wird empfohlen: “[M]ach deutlich, dass du die Definitionsmacht anerkennst und ziehe dich aus der Debatte zurück”.[7] Autoritäre Haltung heißt wohl nichts anderes als: Akzeptiere, ohne zu verstehen.

Auf der anderen Seite: Es verwundert ja doch, könnte man meinen, dass sich gerade die Linke im Gehorsam und im Hass aufs Argument gefällt. Schließlich kommt kaum eine Gruppe, der etwas an ihrer Zugehörigkeit zur Linken liegt, ohne die permanente Selbstvergewisserung aus, wie kritisch nicht die eigene politische Position sei im Gegensatz zu jenen pseudo-linken Polit-StümperInnen, die doch bitte einmal gehörig ihren Standpunkt reflektieren sollten. Immer ist man am Reflektieren und Kritisieren, und das Mantra von Reflexion und Kritik hat nicht zufällig seine Domäne in der Linken gefunden: Es ist dies der Nachhall einer revolutionären Zeit, die vielen Linken zur nostalgischen Phantasieheimat geworden ist, in der die theoretische Zerlegung der Gesellschaft und der Widerstand gegen ihre Institutionen so eng miteinander verbunden waren, dass die politische Opposition tatsächlich ein bestimmter Kampf gegen die Gesellschaft war, dass sich Reflexion und Kritik in der Praxis rechtfertigen konnten. Die Linke, die das Erbe jener Zeit antreten will, übernimmt die Begriffe, deren Sinn sich nun aber ins Gegenteil kehrt: Die linke und deshalb richtige Praxis soll sich durch sogenannte Reflexion und sogenannte Kritik rechtfertigen. Auf die Setzung der Definitionsmacht als antisexistische Praxis auf der Höhe der Zeit folgt ihre Bestätigung durch zweifelsohne kritischen Szenesprech, der sich gerade dadurch zu bewähren hat, das bereits Ausgemachte zu legitimieren.

Was also Kritik vielleicht irgendwann einmal, als sie noch etwas galt, kennzeichnete – nämlich das Feststehende ohne Scham infrage zu stellen –, wird im Fall der Definitionsmacht als ihr gerades Gegenteil verschrien: Jede Kritik, die sich nicht von Vornherein solidarisch mit dem Konzept erklärt, sei unkritisch, herrschaftsstützend, patriarchal. Solche “Scheiße”, als die Kritik heute gilt, zu verhindern, wird konsequenterweise umso schamloser betrieben. Das Vokabular, das zur Abwehr der Argumente angestrengt wird, gibt Aufschluss über die Motive. Manchmal ist die Kritik auch eklig und widerlich, also etwas Dreckiges, das der Reinheit des linken Milieus zuwiderläuft und worauf sich nur noch affektiv reagieren lässt. Dann wiederum ist sie wahnsinnig und verrückt, was den Schluss nahelegt, dass die Skepsis gegenüber der Definitionsmacht ein hinreichendes Indiz für eine psychische Krankheit ist. In einem Text auf Distanz zur Definitionsmacht zu gehen, ist bereits derart pathologisch, dass die ohnehin zensierte Wiedergabe eines solchen Textes Trigger für Betroffene sexueller Gewalt auslösen könne.[8]

Ob es nun überrascht oder nicht: In der kategorischen Verteidigung der Definitionsmacht spottet die Linke ihrem Anspruch. Kritik, deren Ziel schon vorher fixiert ist, ist keine Kritik mehr, sondern Jurisprudenz. Eine solche Kritik, wahlweise dargebracht in Wort, Schrift oder als ‘kritische Intervention’, hat das Gesetz der Szene zu erfüllen, an dem nicht mehr zu rütteln ist und das Harmonie stiftet, die man besser Identität heißt. Dass es um diese Identität nicht sonderlich gut bestellt ist – und warum sollte es auch? –, lässt sich nur erahnen aus der Vehemenz, mit der die Debatte abgewehrt wird. Jedenfalls muss auch hier wie anderswo vermutet werden, dass das Tabu umso stärker wirkt, je geringer seine Notwendigkeit wird. There is no alternative heißt die Devise nur dann, wenn man schon nicht mehr so wirklich daran glaubt. Während sich die eigene politische Arbeit stets vor diesem Gesetz auszuweisen hat und jede Abweichung davon die Szene schmutzig und krank macht, verkümmert der Sinn für das Potenzial des Arguments so sehr, wie die autoritäre Bindung an die Szene wächst. Wo Solidarität in eins fällt mit dem Verbot des Zweifels, herrscht Repression in Reinkultur.

Repression ist auch in der Umsetzung des Defma-Konzepts Methode. Während der bekannte “Grapschen macht impotent”-Sticker[9] noch ganz unvermittelt die direkte Gewalt als Konsequenz gegen den Übergriffigen für das angebrachte Mittel hält, wird es im Konzept ausgelagert auf eine Gewaltandrohung. Es ist richtig, dass ein Opfer die Berechtigung auf Gewalt hat, um sich unmittelbar in der Situation zu wehren. Der Sticker sagt aber wohl mehr: Den alltäglichen Kampf gegen Sexismus gebe es nur in der martialischen Pose, ohne Scheu gegen Gewaltanwendung und stets zum Äußersten bereit. Im Konzept der Definitionsmacht wird diese Phantasie weitergeführt, ohne dass die offene Gewalt hier unmittelbare Notwendigkeit hätte. Wer als Täter benannt ist, hat mit Gewalt zu rechnen, erfüllt er nicht die Regeln, die ihm auferlegt worden sind. Die Rhetorik, die ihm diese Regeln vermittelt, gefällt sich aber im Ton des Stickers, der der Sache darin als Vorbild zu dienen scheint. Alleine, bei der Rhetorik bleibt es selten. Dass ein Sexist durch die Androhung von Gewalt oder ihre direkte Anwendung von der Party entfernt wird, ist weder außergewöhnlich noch schlechthin falsch. Dass er aber aufgrund von Gerüchten als solcher gilt, dass Gerüchte den willkommenen Anlass für Kraftdemonstrationen und Prügelexzesse geben und dass der gewaltsame Ausfall, dem der Anlass ja letztlich egal ist, sich als emanzipatorische Intervention verkaufen kann,, sagt einiges über eine Szene aus. Es zeigt sich hier, wie auch allgemein in der bürgerlichen Gesellschaft, dass, wenn Gewaltanwendung legitimiert wird, dieses Angebot auch angenommen wird: Das Saysche Theorem des Faschismus – an der Nachfrage nach Gewalt mangelt es nicht – gilt auch für die Linke, die hier dem Volk um nichts nachsteht, von dem sie sich mit Fug und Recht unterscheiden will. Die Ausführenden gefallen sich im Spießrutenlauf und schrecken nicht davor zurück, sich als Mob zu mobilisieren, der sich dann auf eine Person stürzt. Wer aber diese Person für vogelfrei erklärt, ist die Definitionsmacht.

Das Bild der Betroffenen im Konzept der Definitionsmacht und die Untermauerung des Geschlechterverhältnisses

Auch wenn sich das Konzept der Definitionsmacht Gegenteiliges auf die Fahnen schreibt, verfestigt es doch das Bild von Frauen in einem beständigen Opferstatus. Was in der psychotherapeutischen Betreuung von Betroffenen sexueller Gewalt unbedingt notwendig ist, das Annehmen der Gefühle als Ausgangspunkt für die Unterstützung der Betroffenen, wird im Konzept der Definitionsmacht in einer Weise ausgeweitet, die es den Betroffenen nahezu unmöglich macht, sich vom Erlittenen zu emanzipieren. Der Name der Wiener Patengruppe des Konzepts, der “Unterstützer_innengruppe DEFMA”, verweist auf das Selbstverständnis der Definitionsmacht, Betroffenen von sexueller Gewalt Schutz zu bieten und einen adäquaten Umgang mit szeneinternen Vorfällen zu finden. Nach näherer Betrachtung bleibt von beiden Ansprüchen wenig übrig: Aus Schutz wird häufig Instrumentalisierung der Betroffenen zur Sanktion des Täters; statt vernünftigem Umgang gibt es eine Art Szene-Souverän, bei dem Rechtsetzung, Anklage und Strafe der reinen Willkür der jeweiligen Gruppe obliegen.

Wo doch die Definitionsmacht einmal dazu angetreten war, den vorhandenen Unzulänglichkeiten des bürgerlichen Rechtssystems im Umgang mit Betroffenen von sexueller Gewalt durch eine andere Praxis zu begegnen, verkehrt sie ihren Anspruch schon im nächsten Schritt: Der häufigen Schwierigkeit, Vergewaltigungen und andere Formen von sexueller Gewalt objektiv zu beweisen, wird die Verabsolutierung des subjektiven Empfindens gegenüber gestellt. Dass es für einen angemessenen Umgang mit sexueller Gewalt unerlässlich ist, die Gefühle von Betroffenen ernst zu nehmen und ihnen nicht paternalistisch zu erklären, was sie zu fühlen oder nicht zu fühlen haben, steht außer Frage. Doch auch dieser so wichtige und richtige Anspruch, sich auf das subjektive Empfinden einer Betroffenen einzulassen, muss in der Definitionsmacht scheitern. Denn Betroffene und ihre individuellen Bedürfnisse ernst zu nehmen, würde unbedingt implizieren, ihnen die Möglichkeit einzuräumen, sich über das Geschehene und ihre Erfahrung, so sie das wollen, zu verständigen. Doch viele AnhängerInnen des Konzepts bestreiten grundsätzlich die Möglichkeit, subjektiv Erlebtes begrifflich zu bestimmen: “Die Definition, ob eine sexualisierte Grenzverletzung vorgefallen ist, liegt einzig und allein bei der Betroffenen. Jede Betroffene von sexualisierter Gewalt kann nur für sich selbst sagen, was sie wann als Gewalt empfindet und wie sie diese individuell erlebte Gewalt wahrnimmt.”[10] Mit dieser Bestimmung werden aber nicht nur die Begriffe, die die gerade so ernste und bedrohliche Koppelung von Sexualität und Leid benennen, vor allem der Begriff der Gewalt, entleert, sondern das Erlebte mitunter im schlechtesten Sinne individualisiert. Man sagt der Betroffenen nichts anderes, als dass sie mit ihren Empfindungen und Ängsten alleine ist, ja dass selbst die Distanzierung von den eigenen Gefühlen durch Begriffe und die sprachliche Äußerung des Erlebten unmöglich sei. Für Unterstützung bei der Bearbeitung des Erlebten müssen sich Betroffene an andere Stellen wenden. Viele Defma-Gruppen unterstützen dabei mit der Herstellung von Kontakten und Weitergabe von Adressen. Interessant ist, dass, was diese Stellen dann bieten, genau genommen dem Defma Konzept zuwider läuft – denn Kontextualisierung und Reflexion des Erlebten ist mehr als die ausschließliche Anerkennung der subjektiven Wahrnehmung.

Obwohl es sich bei den Defma-AnhängerInnen in der Regel nicht um ausgebildete PsychotherapeutInnen handelt (worauf die Wiener Gruppe auch selbst hinweist),[11] werden Begriffe wie “Trauma”, “Trigger” und “Flashback” leichtfertig verwendet. Nähme man sie für das, was sie im klinischen Kontext bedeuten, so müsste man Betroffene viel eher an psychologische Beratungsstellen verweisen, die tatsächlich Ahnung in der Behandlung von Traumata haben. Stattdessen werden sie mit großem Ernst verwendet, ohne jedoch den Ernst der Sache, die sie bezeichnen, wahrzunehmen. Wie nach einer Vergewaltigung das Aussprechen eines Hausverbots eine himmelschreiende Unangemessenheit darstellt, ist es zynisch, auf Traumata mit einem Katalog aus Forderungen an den Täter zu reagieren. Zum Szene-Jargon degradiert, verweisen diese Begriffe auf etwas anderes: In der beständigen Warnung vor Triggern entsteht ein Bild davon, wie sich eine Frau nach einer Vergewaltigung zu fühlen habe. Wird eine Person, der sexuelle Gewalt widerfahren ist, nicht getriggert oder retraumatisiert, können bei der Betroffenen selbst leicht Zweifel aufkommen, ob das Erlittene denn dann tatsächlich so schlimm gewesen sein mag. Das rein subjektive Empfinden ist völlig ungeeignet, die Schwere der Tat zu bestimmen. Zugleich zementiert diese Kernannahme der Definitionsmacht die sexistische Festschreibung der Frau auf die ihr gesellschaftlich zugeschriebene Subjektivität und Emotionalität. Grundsätzlich unfähig, durch Begriffe Distanz zu ihren Gefühlen zu schaffen oder das Leid zu verarbeiten, wird die Frau auf die Gefühlsebene zurückgeworfen; der Täter jedoch erscheint als die rationale Instanz, die sich der Begriffe bedient, um die Tat zu bestreiten.

Auch dem Täter kommen in der Definitionsmacht gleichsam natürliche Eigenschaften zu. Wo der Betroffenen die Möglichkeit der Verarbeitung des Geschehenen abgesprochen wird (nicht umsonst wird im zitierten Flyer ein blutendes, nur durch Nähte noch zusammenhängendes Herz zum Symbol),[12] verwandelt sich Sexismus von einem gesellschaftlichen Verhältnis, das sich durch die Subjekte äußert, zu einem Wesensmerkmal des Täters. Unabhängig von der Qualität der begangenen Tat (ob es sich etwa um sexistische oder lästige Anmache, um Betatschen oder um Vergewaltigung handelt), die das Konzept schon gar nicht mehr interessiert, sieht man keine Rehabilitation vor. Einmal als Täter gebrandmarkt, kann man bestenfalls ein “reflektierter” Täter werden, was bekanntlich jedoch weder vor den weiterhin sanktionswilligen VollstreckerInnen der Definitionsmacht, noch vor einem selbst nach Jahren wiederkehrenden Zugriff des Kollektivs schützen muss, in Wien wie anderswo. Auch in die verkehrte Richtung funktioniert die Willkür freilich: Statt einen Mann, der eine Frau vergewaltigt hat, bei der Polizei anzuzeigen, kann die Sache auch schnell qua Szeneausschluss und “Reflexion” des Täters abgeschlossen sein. Wie man es auch dreht und wendet, vom Anspruch, der Betroffenen Unterstützung zu bieten, bleibt kaum etwas übrig und die reale Unterstützung, auf die Betroffene in Defma-sympathisierenden und anderen UnterstützerInnen-Gruppen zählen können, hat mit dem Konzept nichts zu tun.

Generell gilt, dass die Strafen gegen die Täter exekutiert werden, ohne dass jemals die Möglichkeit bestünde, über ihre Angemessenheit zu diskutieren. Das Strafrecht kennt Kriterien wie Vorsätzlichkeit und Reue und zudem die Aussicht, sich zu rehabilitieren. Von einem wie vom anderen hält Defma wenig, nicht zuletzt handle es sich um bürgerliche Kategorien des bürgerlichen Patriarchats im bürgerlichen Geist, und bürgerlich will man am allerwenigsten sein, wie etwa auch die Pöbeltiraden bei der Wiener Veranstaltung belegen, denen an Obszönitäten kaum mehr als “Scheiße” und “bürgerlich” eingefallen ist. Der bloße Hinweis, dass im bestehenden Recht der Vorsatz in die Urteilsfindung einfließt, scheint Grund genug zu sein für die Gewissheit, dass er im emanzipatorischen Umgang mit sexueller Gewalt nichts zu suchen habe. Für die stolzen Anti-Bürgerlichen sind die Sinnhaftigkeit eines Vorschlags, die Berechtigung eines Arguments schon widerlegt, wenn sich nur deren Verbindung zum Rechtsstaat belegen lässt. Defma verwirft also diese bourgeoisen Konzepte: Ein Täter ist ein Täter ist ein Täter. Ob er vergewaltigt oder jemanden blöd angemacht hat, ist irrelevant für diejenigen, die die Sanktionen vollstrecken. In beiden Fällen können sie die gleichen sein, in beiden Fällen steht ihre Legitimation außer Frage. Für die Szeneöffentlichkeit soll die Sanktion das einzige sein, was auf den Vorfall verweist. Sie ist das eigentlich objektive Moment der Definitionsmacht, das weiter nicht mehr begründet zu werden braucht, da ihre Artikulation durch eine Betroffene und häufiger durch eine UnterstützerInnen-Gruppe sie von jedem Zweifel ausnimmt. Gesetz, Urteil und Exekution fallen derselben Instanz zu. Weil jede Sanktion dem Willen der Betroffenen entsprechen soll, werde sie automatisch zum Betroffenenschutz. Im Rahmen von Defma lässt sich keine Unterscheidung mehr treffen zwischen Bestrafung des Täters und Unterstützung der Betroffenen: Wer die Sinnhaftigkeit einer Forderung hinterfragt, nehme die Betroffene nicht ernst und solidarisiere sich mit dem Täter. Letztlich wird jeder nachvollziehbarer Zusammenhang zwischen der Sanktion und ihrem Grund, dem individuellen Leid, gekappt: Als einziges Fundament der Strafe, die von der Szene durchzusetzen ist und insofern Allgemeingültigkeit – sprich die verhasste Objektivität – beansprucht, reicht laut Defma das Verdikt der Betroffenen kraft ihres subjektiven Empfindens. In dieser Weise wird aber für die Sanktionierung gerade das unterstellt, was ansonsten entschieden geleugnet wird: dass die Betroffene dem Erlebten einen sprachlichen Ausdruck geben kann, der potentiell allgemein verständlich ist.

Sexualität und Grenzüberschreitung

Das Konzept der Definitionsmacht mahnt seine AnhängerInnen dazu, persönliche Grenzen zu definieren und die anderer zu respektieren. Was auf den ersten Blick vernünftig erscheint, entpuppt sich auf den zweiten als die Kehrseite der Auflösung begrifflicher Grenzen in der Definitionsmacht über sexuelle Gewalt. Unklar ist, wo sie überhaupt anfängt; im Konzept werden laszive Blicke, lästige Anmachen, cat calls, Betatschen und Vergewaltigung allesamt in Begriffen wie “sexualisierte Gewalt”, “Übergriff” oder “Grenzüberschreitung” aufgelöst und ihre Unterscheidung auf Basis des Konzepts wird verunmöglicht. Dieser Umstand lässt erahnen, dass es in der Definitionsmacht längst nicht mehr nur um die Verhinderung von Gewalt oder um die Unterstützung von Betroffenen geht. Nicht umsonst werden die Begriffe, die einmal das subjektive Empfinden einer Person in der Sprache objektivierbar und damit einen adäquaten Umgang mit der Betroffenen möglich machten, ihrer Schärfe beraubt und entleert: Nicht nur veritable Gewalt wird verständlicherweise als bedrohlich wahrgenommen, sondern Regungen und Berührung des Subjekts, die an seine Zerrissenheit erinnern. Das Unbehagen an der Grenzüberschreitung gilt nicht erst der Gewalt, sondern jeglicher Erfahrung, in der die Grenzen des Ichs verschwimmen.

Diese Erfahrung aber gehört einem emphatischen Begriff der Sexualität an: “Ein Stück sexueller Utopie ist es, nicht man selber zu sein, auch in der Geliebten nicht bloß sie selber zu lieben, Negation des Ichprinzips.”[13] Hier wird die Überschreitung der Ichgrenzen, die Auflösung des Subjekts in der Hingabe ans andere, zur Bedingung von erfüllter Sexualität. Die angstlose Schwäche, in der Lust entsteht, erfordert es – wenn auch nur für einen flüchtigen Moment –, die eigenen Grenzen des Ichs zurückzunehmen, sich von der Identität mit sich selbst, zu der die bürgerlichen Subjekte angehalten werden und die doch oft misslingen muss, zu lösen und die eigene Überwältigung zuzulassen. Diese Überwältigung aber gehört nicht der Gewalt an, sondern ihrem Gegenteil: “Geliebt wirst du einzig, wo du schwach dich zeigen darfst, ohne Stärke zu provozieren.”[14] Das von den meisten Defma-Gruppen vertretene Zustimmungskonzept ist ein Ausdruck vom heutigen Verkümmern dieser Fähigkeit des Subjekts. Die gegenwärtige Gesellschaft zwingt die atomisierten Individuen zu Autonomie, die von ihr sogleich wieder durchgestrichen wird und zu der die Individuen selbst in bürgerlichen Zeiten kaum fähig waren. Der dieser Situation entsprechende “identische, zweckgerichtete, männliche Charakter des Menschen”,[15] also das Subjekt der bloßen Selbsterhaltung, muss gerade dieses im Begriff der Sexualität schon angelegte Moment der Grenzüberschreitung abwehren. In einer Gesellschaft, die ihren Subjekten stets zum Zwecke der Verwertung Triebunterdrückung und Zurichtung von Geist und Körper abverlangt, wird die Panzerung des Ichs zur Notwendigkeit, um nicht auf der Strecke zu bleiben. Was diese Verhärtung herausfordert, zumal ihre lustvolle Aufgabe, ruft im schwachen Ich Unbehagen hervor und wird deshalb reglementiert.

In der Sprache der DefinitionsmachtsbefürworterInnen heißt das: “Yes means Yes”. Jede innere Regung muss sich in Sprache übersetzen lassen, die Differenz zwischen sprachlichem Ausdruck und unbewusstem Trieb wird eingeebnet. So begriffen, gibt es in der Beziehung von Sexualität und Bewusstsein kein ‘lost in translation’: Schlichtweg alles, was mir Lust bereitet, was ich will und was ich tue, muss unmittelbar und unverzüglich in Sprache artikulierbar sein. Aus dem Anliegen, unerwünschten Berührungen vorzubeugen, wird so die Ersetzung von Lust durch zwanghafte Reflexion. In der Konsequenz kann es auch kein Leid geben, das von einer Zustimmungsäußerung begleitet wird. Sexuelle Gewalt hört auf, Gewalt zu sein, sobald die Betroffene diese nicht als solche artikulieren kann. ‘Yes means yes’ wird zum Instrument der Reaktion, wenn sie sich mit einer Ideologie verbündet, die an der Gewalt gegen Frauen nichts auszusetzen hat, oder wenn das Leid als Selbstverständliches wahrgenommen und deswegen nicht als Folge von Gewalt denunziert werden kann.

Sexualität, die im glücklichen Fall gelungener Intimität gleichsam spontan ihre eigenen Regeln schafft, soll durch das nicht nur in der linken Szene beliebte Zustimmungskonzept kontrollierbar gemacht, das für das gepanzerte Ich Bedrohliche von ihr getrennt werden. Der Versuch, den Sexus zu reglementieren, geschieht jedoch notwendig auf ihre Kosten: “Die eingefangene oder mit schmunzelnder Nachsicht zugelassene Lust ist keine mehr”.[16] Nicht anders verhält es sich beim Zustimmungskonzept, wo der ohnehin zum Scheitern verurteilte Versuch, intime Regungen und Berührungen zwischen Menschen quasi-vertraglich abzustimmen, gerade jene Hingabe an jemand anderen, also die Lust im emphatischen Sinn, unmöglich macht. Das autoritäre Festhalten am “Konzept” erspart der einzelnen Person die Anstrengung, sich in die andere einzufühlen und nimmt dem Trieb das Bedrohliche, das er seit jeher für das nach innen viel schwächere Ich bedeutete. Die Reglementierung jeglicher Annäherung grenzt das Ich weiter ab und verhindert gerade das Glück, seine Grenzen für einen flüchtigen Moment zugunsten der Lust zu vergessen. Wo die Deformation der sexuellen Bedürfnisse und die zwanghafte Anpassung des menschlichen Seelenlebens an die je herrschenden Anforderungen des Betriebs zu skandalisieren wären, neutralisiert die Definitionsmacht den Sexus; wo man der heute schon in der innersten Triebstruktur angelegten Verstrickung von Lust und Gewalt die Möglichkeit einer Hingabe aus freien Stücken entgegenzusetzen hätte, perpetuiert sie ideologisch die Gewalt in der schon ad hoc vorgenommenen Einteilung der Frauen und Männer als prospektive Opfer und Täter. Die leise Ahnung davon, dass sich in Verhältnissen, in denen sich nicht selbstbestimmt leben, in der Regel auch nicht selbstbestimmt und hingebungsvoll lieben lässt, wird weder zur Kritik an besagten Verhältnissen noch dem ihnen entsprechenden Zustand des sexuellen Begehrens geläutert. Stattdessen äußern sich Stumpfheit und Schamlosigkeit in einem Konzept und einem Verhalten, denen sich unschwer entnehmen lässt, dass es um Gewalt gar nie ging, höchstens um die, die man selber ausübt. Und dass der Antisexismus, den man von anderen einfordert, sich allzu oft gegen die Sexualität, nicht aber gegen den Sexismus richtet.


[1] http://derstandard.at/1319182071768/Mangel-an-Beweisen-Bei-Vergewaltigung-wird-selten-verurteilt

[2] Am 12.12.2014 lud die Basisgruppe Politikwissenschaft zu einer Diskussionsveranstaltung mit der Gruppe ‘Les Madeleines’ mit dem Titel “Kein Kavaliersdelikt. Eine feministische Kritik der Definitionsmacht” ins Neue Institutsgebäude (NIG).

[3] Im Flugblatt, das vor der Veranstaltung am 12.12.2014 verteilt wurde, etwa stört man sich nicht an der sexistischen Spaltung in eine pseudo-feministische “philosophische Theorie mit universellem Anspruch”, die Männern zugeschlagen wird, und eine authentisch feministische “pragmatische Antwort”. Nicht nur die Theorie, auch die Fähigkeit von FeministInnen, diese zu betreiben, wird minder geschätzt.

[4] “Man muß die leichte Reizbarkeit des katholischen Gefühls kennen. Es gerät immer in Wallung, wenn der Andere es nicht hat. Die Heiligkeit einer religiösen Handlung hält den Religiösen nicht so ganz gefangen, daß er nicht die Geistesgegenwart hätte, zu kontrollieren, ob sie den Andern gefangen hält, und die von wachsamen Kooperatoren geführte Menge hat sich daran gewöhnt, die eigentliche Andacht nicht so sehr im Abnehmen des Hutes wie im Herunterschlagen des Hutes zu betätigen.” (Karl Kraus: Sittlichkeit und Kriminalität. Frankfurt/Main 1987, S. 225f.)

[5] http://defma.blogsport.de/2012/04/22/3-5-feministische-kritik-am-definitionsmachtkonzept/

[6] https://linksunten.indymedia.org/de/commentrevision/125016?destination=node/127756

[7] http://defma.blogsport.de/images/taeterumgang3_Layout3_01.pdf

[8] http://www.raw.at/texte/2014/antwort-auf-die-stellungnahme-des-redaxkollektivs-der-asb/

[9] http://blogs.taz.de/streetart/files/2008/07/grapschen_macht_impotent.jpg

[10] http://defma.blogsport.de/images/taeterumgang3_Layout3_01.pdf

[11] Ebd.

[12] Ebd.

[13] Theodor W. Adorno: Sexualtabus und Recht heute. In: Ders.: Gesammelte Schriften, Band 10.2. Frankfurt/Main 2003, S. 538

[14] Theodor W. Adorno: Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben. Frankfurt/Main 2003, S. 218

[15] Max Horkheimer/Theodor W. Adorno: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente. Frankfurt/Main 2010, S. 40

[16] Adorno: Sexualtabus und Recht heute, S. 535