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Der Expressionismusstreit und der literarische Expressionismus


Heute gilt der Expressionismus als antifaschistisch. Das liegt wohl daran, dass er schließlich, nach einem von Hitler in seiner "Kulturrede" 1934 gesprochenen Machtwort, von den Nationalsozialisten als zersetzend abgelehnt wurde. Nicht nur die Bilder des blauen Reiters und der Brücke wurden als "entartet" ausgestellt, sondern auch die Literatur wurde letztendlich abgelehnt und expressionistische Publikationen verbrannt.

Viele Autorinnen und Autoren des Expressionismus wurden schon zuvor vertrieben oder ermordet, ein großer Teil war aber eigentlich schon dem ersten Weltkrieg zum Opfer gefallen. Der Expressionismus hatte seine Hochphase im Grunde vor dem ersten Weltkrieg und hielt sich dann noch bis Anfang der 20er Jahre.

Die Debatte, die als Expressionismus- oder Realismusstreit in die Geschichte eingegangen ist, beginnt aber erst ein Jahrzehnt später. Es handelt sich dabei zunächst um einen reflexiven Rückblick auf die prägende expressionistische Phase, der sich schließlich zum Streit über die Gestalt von antifaschistischer Literatur ausweitet. Während György Lukács und andere auf der einen Seite für strikten Realismus in der Literatur argumentierten und den Expressionismus ablehnten, fand dieser in Bertolt Brecht und Ernst Bloch seine bekanntesten Verteidiger.

Der Vortrag wird erst bündig in den Expressionismus einführen und die Grundmotive der angesprochenen Debatte skizzieren, um schließlich zu einer aktuellen Einschätzung des Expressionismus zu gelangen. Statt sich auf eine Seite zu schlagen soll die Frage um den Gehalt des Expressionismus, die angesichts dessen allgemeiner Beliebtheit nicht ganz unwichtig erscheint, den heutigen gesellschaftlichen Bedingungen entsprechend erneut gestellt werden.

Vortrag von Simon Sailer