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Feminismus und Kritische Theorie

Wochenendseminar der Basisgruppe Politikwissenschaft

Einleitung

Gerne wird behauptet Feminismus sei gar nicht mehr notwendig, da die rechtliche Gleichstellung doch längst erfolgt sei - eine Behauptung die nicht selten auch von Frauen geäußert wird. Sicher, das eine oder andere könnte vielleicht noch verbessert werden, aber im Grossen und Ganzen sei Gleichberechtigung längst durchgesetzt. Auch ein Verweis auf die aktuell herrschenden groben Ungleichheiten (etwa unterschiedliche Gehälter, der geringe Anteil von Frauen in Führungspositionen, das asymmetrische Gewaltverhältnis, unterschiedliches Sprechverhalten, etc.) lassen die IdeologInnen des Status Quo kalt: ,,Aber es gibt doch auch Frauen die...'' werden strukturelle Probleme individualisiert. ,,Das liegt eben an den Hormonen'' (vorzugsweise ,,mangelndem'' Testosteron) wird das weibliche Schicksal biologisiert.

Der akademische Gender-Betrieb, der das Geschlechterverhältnis wissenschaftliche verwaltet findet darauf nur poststrukturalistische Antworten. Schuld an der ganzen Malaise sei ein diffuser ,,Diskurs'' oder eine noch diffusere (foucaultsche) ,,Macht''. Diese Ansätze mögen zwar gewisse gesellschaftliche Bewegungsformen erklären, können die immer noch bestehende Spaltung der Gesellschaft in ,,Männer'' und ,,Frauen'' aber letztlich nur auf archaische Relikte zurückführen.

Die Kritische Theorie ist die Antipode des Poststrukturalismus. Sie etablierte sich in den 1930er Jahren als radikale Gegenposition zur damals vorherrschenden Wissenschaft. Sie begreift Denken als grundsätzlich interessegeleitet und versucht, in gesellschaftliche Auseinandersetzungen ideologiekritisch einzugreifen. Feminismus spielte in der ursprünglichen Kritischen Theorie praktisch keine Rolle. Dabei scheint gerade sie das nötige ,,Rüstzeug'' zu bieten, für eine umfassende, radikale (im Sinne von ,,etwas bei der Wurzel packen'') Analyse und Kritik des Geschlechterverhältnisses.

Etwa mit der marxschen Ideologiekritik, die scheinbare Naturverhältnisse als gesellschaftliche Verhältnisse entlarvt. Nicht unwichtig in einer Gesellschaft in der jede weibliche Regung oder Nichtregung mit Hormonen, Genen, Hirnhälften oder Regelblutungen erklärt wird.

Oder der Totalitätsbegriff, mit dem die Gesellschaft als Ganzes, statt als ein in unabhängige Subbereiche untergliedertes betrachtet wird. Gerade weil sich das Geschlechterverhältnis auch noch in jedes kleine Detail aller Gesellschaftsbereiche durchzieht, ist eine Analyse die von der gesellschaftlichen Totalität ausgeht notwendig.

Nicht zuletzt die prinzipielle dialektische Herangehensweise, scheint gerade in Verhältnissen die im Aufbruch begriffen sind, aber sich doch nicht von ihrem Ursprung lösen wollen, als ein Ansatz des Verstehens dieser irrationalen Spaltung in ,,Mann'' und ,,Frau'', sinnvoll.

Die Totalität der Gesellschaft ohne Geschlechterverhältnis begreifen zu wollen, heißt gar nichts zu begreifen.

Aufbau des Seminars

Im Seminar soll es insbesondere darum gehen die Dialektik der Aufklärung aus feministischer Perspektive zu lesen und zu diskutieren. Zentrale Aspekte und Konzepte feministischer Theorie zehren von den in der Dialektik der Aufklärung teils fragmentarisch dargestellten Theoriesträngen, indem sie sich daran abarbeiten und sie fortentwickeln. Vor allem auf die dargelegte Analyse der Dichotomie von Kultur und Natur, Geist und Materie soll in dem Wochenendseminar eingegangen werden, auf eine Dichotomie also, die auch dazu führte, dass ein bestimmtes Konstrukt des Weiblichen mit dem Schwachen/Naturhaften identifiziert wurde, während ein ebenso gesellschaftlich und herrschaftsmäßig zugerichtetes Bild von Männlichkeit als Repräsentant für Stärke/,,geläuterte Natur'' konzipiert ist.

Da die Dialektik der Aufklärung zwar gemessen an der Seitenzahl kein allzu umfangreiches Buch ist, in der Darstellung der darin versammelten Theoriekomponenten jedoch äußerst dicht ist, v.a. im Hinblick auf die erforderlichen Vorkenntnisse etwa in Erkenntnistheorie und Psychoanalyse, empfiehlt es sich, zwei Kapitel für die gemeinsame intensive Lektüre auszuwählen: Dies wären die beiden Exkurse im ersten Kapitel Odysseus oder Mythos und Aufklärung sowie Juliette oder Aufklärung und Moral, in denen an verschiedenen, in sich deutlich gegenderten Personae, die Grundthese des Buches durchgeführt wird, dass schon der Mythos Aufklärung ist und Aufklärung in Mythologie zurückschlägt. Begriffe wie Opfer und Entsagung, Einheit von mythischer Natur und aufgeklärter Naturbeherrschung, (männliche) Subjektkonstitution, Zwang zur Einheit/Identität, Dialektik von Gleichheit und Differenz sind in dieser Darstellung zentral.

Organisatorisches

Das Wochenendseminar wird vom 11.-13. Dezember 2009 in St.Radegund bei Graz (Steiermark) stattfinden. Anreise wird Freitag Nachmittag sein, Abreise Sonntag Nachmittag. Sowohl für Anreise, als auch Unterkunft und Verpflegung wird gesorgt werden.

Vor dem Seminar wird es noch eine Vorbesprechung am 8. Dezember um 18:00 in der HuS (Gassenlokal, Rathausstraße 19-21, 1010 Wien, direkt neben dem NIG) geben. Außerdem wird es einen Reader geben, der alle notwendigen Texte enthält.

Rückfragen und Anmeldung unter bagru.powi@gmx.at. Bei der Anmeldung bitte auch Kontaktmöglichkeit (Handynummer) und spezielle Essenswünsche angeben (vegetarisch, koscher, etc.). Wir bitte um verbindliche Anmeldung bis zum 9. Dezember. Danach können wir nur noch Restplätze vergeben.