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Religionssoirée - Ein Abend über Religion

Die Religion hat in der radikalen Gesellschaftskritik keinen guten Stand. Das überrascht nicht, hat Marx sie doch an einer Stelle in der Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie als "Opium des Volkes" bezeichnet. Wie oft dieser Satz, mitunter auch noch falsch, zitiert wird, sollte stutzig machen. Betont wird darin der beschwichtigende, vertröstende Moment von Religion; vernachlässigt wird, dass unmittelbar davor Marx das religiöse Elend als "Ausdruck des wirklichen Elends" bestimmt, als "Seufzer der bedrängten Kreatur".

Andere Teile der Linken unterscheiden sich in ihrer Ablehnung der Religion nicht von Liberalen: Religion sei einfach Humbug, Gott eine psychotische Erfindung. Wenn diese selbsterklärten Skeptikerinnen, um sich darin zu bestätigen, was sie eigentlich schon immer wussten, auf Theorie zurückgreifen, werden entweder Naturwissenschaftliche Mantren gegen das irrationale Hirngespinst ins Feld geführt, oder Philosophen wie Freud oder Spinoza eklektizistisch als Zeuginnen des Atheismus aufgerufen.

Das Elend der Religionskritik

So berechtigt es ist, die herrschaftslegitimatorischen Momente von Religion herrauszustreichen, so sehr läuft die Kritik dabei Gefahr zur Entschuldigung eines Bestehenden zu geraten, in der Religion zumindest auch etwas Unpassendes, Störendes hat. Es ist ein kleiner Schritt von der Ablehnung der Vertröstung auf ein Paradies im Jenseits oder nach der messianischen Erlösung, zur schlechthin antimetaphysischen Identifikation mit dem Bestehenden, in dem vom Paradies allerdings für die allermeisten keine Rede sein kann. Mit der Religion wird allzu leicht auch der über das, was bloß ist, hinausweisende Überschuss entsorgt.

Damit kollaborieren diese Positionen mit den liberalen Feindinnen jeder Metaphysik, für die Augustinus auf einer Stufe mit Lehren über die Energetisierung von Wasser steht und die sich unter Paradies die weltweite Durchsetzung des Kapitalismus vorstellen. Religion stehe dabei im Wege, sei überhaupt die Hauptverhinderin dieses Fortschreitens der Freiheit. Wie wirksam diese und ähnliche Ansichten sind, zeigen auch ihre debilen Erscheinungen in der Popkultur, in der sich Leute mit Nudelsieben auf dem Kopf nicht einmal mehr wundern, dass sie nicht ernst genommen werden.

La Soirée

Die Bagru Powi lädt zu einem Abend gediegener und strukturierter Diskussion ein, an dem die Bedeutung von Religion und die gesellschaftliche Genese des "antireligiösen Ressentiments" Thema sein werden. Ein paar vorbereitete ausführliche Wortmeldungen werden das Gespräch beleben und die konflikthafte Auseinandersetzung bestenfalls weiter zuspitzen. Gipfeln wird der Abend in der ernsten Frage, ob an Religion nicht mehr dran sei als dass sie Ketzerinnen hervorgebracht hat.

Dienstag, 11.10. 2011, ab 18:30 Uhr
Berggasse 11/2/12
1090 Wien

Abendkleidung obligat