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Von der verratenen Freiheit zum Sturz des Regimes? Zur Lage im Iran im Zusammenhang mit den arabischen Aufständen
Vortrag und Diskussion mit Fathiyeh Naghibzadeh und Stephan Grigat

Die Teheraner Machthaber, die sich nach der brutalen Unterdrückung der iranischen Freiheitsbewegung nun auch an der Niederschlagung der Revolte in Syrien beteiligen, waren unter den Ersten, die die neue Instabilität im Nahen Osten für sich zu nutzen wussten. Ein Sturz des iranischen Regimes wäre eine gute, wenn auch sicher nicht hinreichende Versicherung, dass der arabische Frühling nicht zu einer Intifada gegen Israel verkommt. Die europäische Politik weigert sich bisher allerdings beharrlich, konsequent gegen das Regime in Teheran vorzugehen. Der doppelte Verrat an der iranischen Freiheitsbewegung von der westlichen Politik ebenso wie von der globalen Linken setzt sich bis heute fort.

Die iranische Freiheitsbewegung steht auf taktischer Ebene zweifellos vor großen organisatorischen Problemen, zumal der Terror des Regimes jede über informelle Zusammenschlüsse hinausgehende Organisierung bisher erfolgreich verunmöglicht hat. Dafür hat diese Bewegung ohne Führer auf strategischer Ebene eine erstaunliche Konsequenz an den Tag gelegt und ist bisher in ihren Losungen und Forderungen immer weiter gegangen. Die zentralen Parolen der Bewegung im Iran passen nicht zu den Zielen der reformislamistischen Chefdarsteller, diese können ihr aber gleichwohl großen Schaden zufügen. Die iranische Freiheitsbewegung muss ihr politisches und organisatorisches Zentrum erst noch finden und gegen alle demobilisierenden Manöver der Anhänger einer reformierten Islamischen Republik durchsetzen.

Stephan Grigat behandelt in seinem Vortrag das postnazistische Bedürfnis im Appeasement gegenüber dem iranischen Regime, während Fathiyeh Naghibzadeh die iranische Freiheitsbewegung näher beleuchtet und deren Verhältnis zu den arabischen Aufständen analysiert.

Fathiyeh Naghibzadeh ging vor über 20 Jahren aus dem Iran ins Exil nach Deutschland und engagiert sich bei STOP THE BOMB in Berlin. Sie ist Koregisseurin des Films Kopftuch als System Machen Haare verrückt? und Koautorin von Der Iran. Analyse einer islamischen Diktatur & ihrer europäischen Förderer sowie Iran im Weltsystem. Bündnisse des Regimes & Perspektiven der Freiheitsbewegung.

Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter für Politikwissenschaft an der Universität Wien und wissenschaftlicher Mitarbeiter von www.stopthebomb.net in Österreich. Er ist Herausgeber von Feindaufklärung & Reeducation. Kritische Theorie gegen Postnazismus & Islamismus (ça ira 2006) und Mitherausgeber von Der Iran. Analyse einer islamischen Diktatur & ihrer europäischen Förderer (Studienverlag 2008) sowie Iran im Weltsystem. Bündnisse des Regimes & Perspektiven der Freiheitsbewegung (Studienverlag 2010).

Donnerstag, 30. 6. 2011, 19:30 Uhr
Neues Institutsgebäude (NIG), Hörsaal II
Universitätsstrße 7
1010 Wien