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Die Politisierung der Lust - Sexualität im Nationalsozialismus
Vortrag und Diskussion mit Ljiljana Radonic

Fragt man nach dem Geschlechterverhältnis im Nationalsozialismus, so liegt der Fokus auch heute noch auf der offiziellen Verherrlichung der Frau als desexualisierte Mutter. Der weibliche Körper soll als politisches Feld für die Rassepolitik gedient haben, Lust und Sinnlichkeit im Sinne der bevölkerungspolitischen Aufgabe unter Kontrolle gehalten worden sein. Das "Dritte Reich" war zweifelsohne ein gewaltiges Unterfangen zur rassistischen Steuerung der Fortpflanzung, doch die offenkundig verbrecherischen Aspekte der NS-Sexualpolitik waren nicht in eine insgesamt sexualitätsfeindliche Haltung eingebettet. Während einige zu konservativen Werten zurückkehren wollten, versuchten andere NS-Autoren, die sexuelle Befreiung nunmehr als "germanisches" oder "arisches" Vorrecht neu zu definieren. Diese rebellische repressive Entsublimierung im NS muss in Zusammenhang mit der Untergangsstimmung gedacht werden, die von Anfang an im NS angelegt war.

Dass die NS-Sexualpolitik so deutlich den heute gängigen Darstellungen widerspricht, kann als Effekt des "Normalisierungsprozesses der fünfziger Jahre" erklärt werden: Die sexfreundlichen Seiten des NS gerieten in Vergessenheit, da man vor den eigenen Kindern oder dem Rest der Welt nicht zugeben konnte, dass man am Dritten Reich durchaus Vergnügen gefunden hatte. Dies "ließ sich mit der erfolgreichsten Taktik der Nachkriegsdeutschen im Umgang mit ihrer Schuld nicht vereinbaren" (D. Herzog).

Eine Veranstaltung der Basisgruppe/Studienvertretung Politikwissenschaft

Donnerstag, 4. Juni 2009, 19 Uhr
Hörsaal II NIG, Erdgeschoß, Universitätsstraße 7, 1010 Wien